Rainer Maria Rilke (1875-1926) ist einer der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts. Trotz der Schwerverständlichkeit seiner Texte wird er begeistert gelesen, ja er hat in den Jahren des Doppeljubiläums 2025/2026 nochmals an Popularität gewonnen. Neu entdeckt wird seine Lyrik nicht allein durch die Breitenrezeption auf Twitter, TikTok oder auf anderen Social Media Plattformen, sondern auch durch eine neu entstehende Historisch-kritische Edition seiner Werke. Letztere verdankt sich wesentlich dem Ankauf des privaten Rilke-Archivs durch das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. In diesem Seminar soll eine Einführung in die Lyrik Rilkes anhand ausgewählter deutschsprachiger Gedichte seines Œuvres gewonnen werden. Wir schreiten dabei vom Frühwerk mit den ‚Larenopfern‘ und dem ‚Stunden-Buch‘ über das Mittlere Werk mit dem 'Buch der Bilder' und den ‚Neuen Gedichten‘ über das berühmte Spätwerk mit den ‚Duineser Elegien‘ und den ‚Sonetten an Orpheus‘ bis hin zum spätesten Werk mit ausgewählten Widmungsgedichten. Ich schlage vor, drei Fragen in den Mittelpunkt zu stellen, die zusammen mit Ihnen angepasst, ergänzt oder ausgetauscht werden können: (1) Wie wird die Lyrik Rilkes heute gelesen und wie wurde er in der Vergangenheit gelesen – das meint auch die Frage nach der Aktualität der Dichtung. (2) In welchem Verhältnis steht ‚Dichtung‘ und ‚Leben‘ im Werk Rilkes und (3) Was versteht man von einem Gedicht, wenn man über die Entstehung des Gedichts informiert ist – hier blicken wir auch auf Handschriften Rilkes, die im DLA Marbach sind.