Inhalt:
Gesellschaftliche Wirklichkeit ist geprägt von Differenzlinien: Menschen kategorisieren, bewerten und hierarchisieren. Doch wie entstehen gesellschaftliche Unterscheidungen zwischen Menschen? Welche sozialen Prozesse führen dazu, dass bestimmte Differenzlinien gemacht werden? Dieses Seminar untersucht soziologische Prozesse der Humandifferenzierung, durch welche bestimmte Kategorien – insbesondere Geschlecht, Sexualität und Behinderung – als bedeutsam hervorgebracht und in sozialen Ordnungen wirksam werden. Dabei geht es um mehr als reine Klassifikation: Differenzlinien strukturieren Zugänge zu Teilhabe, Anerkennung und Ressourcen, außerdem prägen sie Identitäten und führen zu Ausschlüssen.
Ausgehend vom Konzept der Humandifferenzierung (u. a. Hirschauer, Boll) betrachten wir, wie Differenzkategorien diskursiv, institutionell und alltagspraktisch hergestellt und legitimiert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verschränkung von Geschlecht, Sexualität und Dis/Ability sowie auf kritischen Perspektiven auf binäre Ordnungsmodelle. Wir fragen: Wie greifen diese Differenzlinien ineinander? Welche spezifischen Formen von Ungleichheit und Marginalisierung entstehen aus ihrem Zusammenwirken? Und wie werden gesellschaftliche Normen in Bezug auf Körper, Verhalten, Subjektivität und Zugehörigkeit in verschiedenen Kontexten – von Gesetzgebung über Pädagogik bis hin zu medialen Repräsentationen – (re)produziert, herausgefordert oder unterlaufen?
Ein zentrales Anliegen des Seminars ist die Auseinandersetzung mit Perspektiven jenseits binärer Geschlechterkonzepte, insbesondere nicht-binären Positionierungen, und deren Verhältnis zu dominanten Vorstellungen von Normalität. Wir diskutieren, wie solche Perspektiven theoretisch anschlussfähig gemacht und zugleich forschungsethisch sensibel behandelt werden können.
Das Seminar lebt von der aktiven Beteiligung aller. Es richtet sich an Studierende, die Lust haben, sich intensiv mit theoretischen und empirischen Perspektiven auf Differenz, Normierung und soziale Ordnung auseinanderzusetzen. Erwartet wird die Bereitschaft, Texte eigenständig und kritisch zu lesen, sich engagiert in Diskussionen einzubringen und eigene Fragen und Perspektiven in die gemeinsame Analyse miteinzubringen. Wer Interesse an einem Seminar mit viel Raum für Austausch, Reflexion und eigenständiges Denken hat, ist hier genau richtig.
- Dozent*in: Simeon Jäkh